02 - Hinter den Hecken
02 - Hinter den Hecken
band: 2 title: "Hinter den Hecken" chapters: 10
Hinweis
Sämtliche Figuren, Ereignisse und Handlungen dieses Buches sind frei erfunden. Alle dargestellten Personen sind ausschließlich fiktiv und haben das 18. Lebensjahr vollendet. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, Orten oder Ereignissen sind rein zufällig.
Band 2 — Hinter den Hecken
1. Durch den Sucher
Die Halle riecht nach Schweiß und Bodenfliesen. Volleyballtraining, ein Dienstag im Oktober. Svenja König sitzt auf der Tribüne, die Kamera vor dem Gesicht, den Zeigefinger leicht auf dem Auslöser. Sie ist immer da. Sie ist immer mit der Kamera da. Der Geruch von Turnsälen ist ihr ganzes Leben lang vertraut gewesen — muffig, nach Gummi und Schweiß und Reinigungsmittel, das nie ganz wirkt. Sie atmet ihn ein, während sie durch den Sucher sieht. Er riecht nach Sicherheit. Nach Unsichtbarkeit.
Sie denkt: Solange ich die Kamera habe, bin ich nicht da. Ich bin nur ein Auge. Ein Auge kann man nicht angreifen. Ein Auge kann man nicht ablehnen. Ein Auge sieht nur.
Auf dem Feld läuft Svenja Hartmann. 178 cm, blonde Haare im Pferdeschwanz, die Beine freiliegend unter der kurzen Sporthose. Sie springt, schmettert, landet. Ihr Körper ist durchtrainiert — schmale Taille, definierte Arme, Oberschenkel die Kraft haben. Sie schwitzt. Eine Strähne löst sich aus dem Zopf, klebt an der Schläfe. König vergrößert das Bild im Sucher. Sie sieht den Schweiß auf Hartmanns Stirn, die Art, wie ihre Brust sich hebt, wenn sie nach Luft schnappt. Die roten Wangen. Die Konzentration in den blauen Augen.
König denkt: Sie hat keine Ahnung. Sie hat nie eine Ahnung. Sie macht einfach. Sie lebt einfach. Sie ist da, ohne sich zu fragen, ob sie da sein darf.
König drückt nicht ab. Sie beobachtet. Durch den Sucher, immer durch den Sucher. Sie sieht Hartmanns Gesicht beim Sprung, die Anspannung im Kiefer, die Pupillen die sich weiten wenn der Ball kommt. König ist 172 cm, schlank, dunkelblonde Haare mit einer Haarspange zurückgesteckt. Sie trägt Schwarz. Sie trägt immer Schwarz. Die Kamera hängt an einem Lederband um ihren Hals, auch jetzt. Der Sucher ist ihr Schutzschild. Hinter ihm ist sie mutig. Hinter ihm kann sie sehen, was sie will.
Hartmann bemerkt es nicht. Nicht beim ersten Satz. Nicht beim zweiten. Beim dritten nicht. König atmet flach. Sie macht ein Bild. Dann noch eines. Dann eines wo Hartmann lacht, nach einem Punkt, den Kopf in den Nacken gelegt, die Kehle frei. König friert das Bild ein. Sie speichert es. Sie wird es später anschauen, im Dunkeln, unter der Bettdecke, das Gesicht von Hartmann auf dem Display, und sich fragen, ob sie jemals den Mut haben wird, mehr zu tun als zu fotografieren.
Der Ball fliegt hin und her. Die Schritte hallen. Jemand ruft einen Namen. Hartmann dreht sich, lacht, wischt sich den Schweiß von der Stirn. König macht ein weiteres Bild. Ihre Finger sind kalt. Der Auslöser klickt leise. Niemand hört es über dem Lärm des Spiels.
Sie denkt: Ich könnte hier sitzen bleiben für immer. Ich könnte jeden Tag hier sitzen. Ich könnte tausend Bilder machen und nie eines zeigen. Das wäre genug. Das müsste genug sein.
Aber sie weiß, dass es nicht genug ist. Und sie weiß, dass Hartmann es weiß.
Nach dem Spiel duschen die anderen. Hartmann nicht. Sie kommt direkt aus der Halle, das Handtuch über der Schulter, die Haare nass von der Schnelligkeit. Sie sieht König auf der Tribüne. König senkt die Kamera. Zu spät.
Hartmann geht nicht vorbei. Sie bleibt stehen. Direkt vor König. Blaue Augen, direkter Blick, kein Lächeln.
„Wenn du mich schon fotografierst“, sagt sie, „dann mach wenigstens ein richtiges Bild.“
König sagt nichts. Ihre Hand zittert. Sie hebt die Kamera. Hartmann rührt sich nicht. Sie steht da, wartet. König stellt scharf. Das Gesicht. Die Augen. Den Mund. Sie drückt ab.
Der Auslöser klickt. Hartmann blinzelt nicht.
Hartmann sagt: „Zeig es mir irgendwann.“
Sie geht.
König senkt die Kamera. Ihr Herz klopft. Sie schaltet die Kamera aus. Sie weiß nicht, ob das ein Angriff war oder eine Einladung.
Ich weiß es später. Aber jetzt noch nicht.
Sie bleibt sitzen, lange nachdem die Halle leer ist. Die Lichter gehen aus. Der Hausmeister sagt etwas, sie hört es nicht. Sie steht auf, geht nach Hause, legt die Kamera auf den Schreibtisch. Sie schaut das Bild an. Hartmanns Gesicht, direkt in die Linse. Kein Lächeln. Keine Abwehr. Einfach nur: da.
König denkt: Das war kein Angriff.
Sie legt sich ins Bett. Sie kann nicht schlafen. Sie denkt an den Moment, als Hartmann stehen blieb. An den Moment, als sie direkt in die Kamera sah. An den Moment, als sie sagte: Zeig es mir.
König denkt: Was wäre wenn.
Sie dreht sich auf die Seite. Das Display der Kamera leuchtet im Dunkeln. Sie hat es nicht ausgeschaltet.
2. Vereinsheim
Eine Woche später. Der Karnevalsverein probt für die Karnevalssitzungen. Das Vereinsheim ist ein ehemaliges Gasthaus am Rand der Innenstadt — großer Saal, Bühne hinten, Küche und Eingangsbereich vorne. Die Decken sind niedrig, die Tapete ist alt, die Heizung rattert. Es riecht nach Bier und Bohnerwachs und Jahren. Ich bin mit Carina da. Sie muss etwas vorbeibringen — Kostümteile, die unsere Mutter genäht hat. Carina hat ihren Pixie-Haarschnitt, einen weiten Pullover, Jeans. Sie ist 164 cm, blonde Haare, blaue Augen. Meine Schwester.
Ich helfe im Eingangsbereich. Räume die Spülmaschine ein, bereite den Waschplatz vor. Das Wasser läuft heiß über meine Hände. Von hier kann ich in den Saal sehen. Nicht alles, aber genug.
Die Probe läuft. Ich sehe die Tänzer auf der Bühne, die Kostüme, die Scheinwerfer. König ist da — ohne Kamera. Das fällt mir auf. Sie steht am Rand, die Arme verschränkt. Sie sieht anders aus ohne die Kamera. Nackter. Ich kann ihr Gesicht sehen, ihre Augen, die ständig jemanden suchen. Hartmann ist auf der Bühne, im Kostüm, lacht mit Yvonne. Sie trägt etwas Rotes, Enges. Der Stoff glänzt unter dem Licht.
Dann ist Pause.
Ich räume weiter. Carina ist hinten, redet mit Nadine. Ich sehe König und Hartmann nach draußen gehen. Sie setzen sich auf die Bank vor dem Vereinsheim. Ich kann sie durch das Fenster sehen. Die Bank ist aus Holz, verwittert, steht unter einer Laterne. Das Licht fällt gelb auf ihre Gesichter. Sie reden.
Hartmann sagt etwas. Ich höre es nicht genau. Aber dann sagt König etwas, das ich höre:
„Weil ich nicht weiß, was ich sonst tun soll.“
Hartmanns Antwort ist leiser, aber ich verstehe sie trotzdem:
„Du könntest mich einfach fragen.“
König sieht sie an. Direkt. Ohne Kamera. Sie sagt etwas, das ich nicht verstehe. Hartmann nickt.
Ich starre durch das Fenster. König und Hartmann sitzen auf der Bank, dicht beieinander. Hartmanns Hand liegt auf ihrem eigenen Knie — aber ganz nah an Königs Hand. König rührt sich nicht. Sie starrt geradeaus. Hartmann beugt sich näher. Sagt etwas, das ich nicht höre. König schüttelt den Kopf. Hartmann nickt wieder. Dann, ganz langsam, legt Hartmann ihre Hand auf Königs. König zittert. Ich sehe es von hier.
König dreht den Kopf. Sie sieht Hartmann an. Ihre haselnussbraunen Augen treffen auf blaue. Einen Moment lang ist alles still. Kein Autogeräusch, kein Wind, nur die beiden auf der Bank. Ich halte den Atem an, obwohl ich nicht weiß, warum.
Dann steht Hartmann auf. Zieht König mit sich. Sie gehen um die Ecke, verschwinden aus meinem Blickfeld. Ich stehe da, das Geschirrtuch in der Hand, und starre auf die leere Bank.
Carina kommt zu mir. „Was machst du da? Träumst du?“
Ich wende mich ab. „Nur nachgedacht. Wer war das nochmal mit der Kamera?“
„Svenja König. Die andere ist Svenja Hartmann. Beide in der Q2, wie wir.“ Sie nimmt mir das Tuch aus der Hand. „Lass mich mal. Du machst ja doch nur alles nass.“
Ich trete zur Seite. Aber meine Augen suchen das Fenster. Die Bank ist leer. Der Wind weht ein Blatt über den Hof.
„Die beiden sind viel draußen“, sage ich.
Carina zuckt mit den Schultern. „Können die machen. Sind erwachsen, oder?“
Ich nicke. Aber ich denke daran, wie König aussah, als sie auf der Bank saß. Wie sie Hartmann ansah. Nicht durch den Sucher. Direkt.
Ich frage mich, was sie gesagt hat. Was man sagt, wenn man die Kamera weglegt und jemanden direkt ansieht. Ich weiß es nicht. Aber ich will es wissen.
Carina redet weiter. Ich höre nicht zu. Ich sehe durch das Fenster. Die Bank ist immer noch leer. Aber irgendwo da draußen, um die Ecke, sind sie. Zusammen.
3. Die Fotos
Zwei Tage später. Ich bin nicht dabei. Aber ich weiß, was passiert ist, weil König es Carina erzählt hat und Carina es mir später gesagt hat.
König zeigt Hartmann die Bilder. Alle. Die von der Tribüne, die heimlichen, die wo Hartmann lacht, die wo sie schmettert, die wo sie nichts ahnt. Hartmann blättert durch. Sagt nichts.
Sie sitzen in Königs Zimmer. Es ist klein. Die Wände sind hellgrau, ein Poster von einer Fotografin hängt über dem Bett. Die Kamera liegt auf dem Schreibtisch. Hartmann sitzt auf der Bettkante, das Display in den Händen. König steht neben ihr, die Arme verschränkt, wartet.
Hartmann blättert. Ein Bild. Zwei. Drei. Sie sagt nichts.
König denkt: Sie hasst sie. Sie findet mich lächerlich. Sie will gehen.
Dann: „Lösch die, die ich nicht mag. Behalt die, die du gut findest. Aber zeig sie mir vorher.“
König löscht nichts. Sie zeigt Hartmann alle. Eine nach der anderen. Hartmann ist still. Niemand hat sie je so gesehen, wie König sie sieht. Nicht die Sportlerin. Nicht die Laute. Sondern die, die erschrickt, wenn sie merkt, dass sie schön ist.
Hartmann sagt: „Zeig mir, wie du mich siehst.“
König versteht. Sie legt die Kamera weg. Sie stellt sie auf den Tisch. Sie tritt nah.
Hartmann wartet.
König küsst sie.
Hartmann antwortet.
Eine Hand auf Königs Bauch. Die erste Berührung von Haut. König zittert. Hartmann hält sie. König weint nicht. Aber sie ist nah dran.
Sie denkt: Das ist es. Das ist es, wovor ich Angst hatte. Nicht, dass sie Nein sagt. Sondern dass sie Ja sagt und ich nicht weiß, was dann kommt.
Aber sie weiß es jetzt. Hartmanns Hand auf ihrer Haut. Hartmanns Mund auf ihrem Mund. Hartmanns Körper, der sich nicht zurückzieht.
Hartmann sagt: „Bleib.“
König bleibt.
Sie liegen nebeneinander auf dem Bett, voll angezogen bis auf die eine Stelle, wo Hartmanns Hand unter Königs Shirt ist. Sie reden nicht. Sie atmen nur. König spürt Hartmanns Finger auf ihrer Haut, die leichte Bewegung, das Streicheln. Sie schließt die Augen und denkt: Ich will, dass das nie aufhört.
Hartmann sagt: „Morgen ist wieder Training. Kommst du?“
König nickt. „Ja. Ich komme.“
Hartmann lächelt. „Mit Kamera?“
König zögert. „Vielleicht. Oder vielleicht auch ohne.“
Hartmann drückt ihre Hand. „Gut. Sehr gut.“
4. Carina bestätigt es
Minuten später. Ich stehe noch immer in der Küche, gebannt von dem Gesehenen, und warte auf Carina. Die Spülmaschine läuft. Das Wasser rauscht. Ich starre auf das Fenster, auf die leere Bank, auf den Hof, auf den Wind.
Dann geht die Tür auf. König und Hartmann kommen wieder rein. Sie halten Hände, bis sie mich bemerken. Sie lassen sofort erschrocken los. Sie gehen weiter, als ob nichts wäre.
Ich starre.
Carina kommt zu mir. „Was guckst du so?“
„Die beiden sind zusammen.“
Carina grinst. „Das hat ja auch lange genug gedauert. Die halbe Klasse hat es schon kommen sehen — wie König Hartmann immer fotografiert hat, wie Hartmann immer bei König stand, wie sie sich angesehen haben. Nur König selbst hats nicht gecheckt.“ Sie lacht. „Lass sie. Die machen das schon.“
Ich nicke. Aber ich denke daran, wie König aussah. Wie sie Hartmann ansah. Nicht durch den Sucher. Direkt.
Ich denke: Ich habe etwas gesehen, das ich nicht hätte sehen sollen. Aber ich bin froh, dass ich es gesehen habe.
Carina sagt noch etwas, aber ich höre nicht zu. Ich sehe König und Hartmann im Saal. Sie stehen nebeneinander, nicht zu nah, nicht zu weit. Aber ich sehe es. Die Art, wie Königs Schulter Hartmanns Arm streift. Die Art, wie Hartmann lächelt, wenn König etwas sagt.
Ich denke: Das ist erst der Anfang.
5. Gedankenspiele
Abends in meinem Bett. Ich kann die beiden Svenjas nicht vergessen. Ich denke an König, an ihre ruhigen haselnussbraunen Augen, ihre schlanken Finger am Sucher. Ich denke an Hartmann, an ihren sportlichen Körper, ihre blonden Haare im Pferdeschwanz, ihre festen Oberschenkel. Ich stelle es mir genau vor.
Die Decke ist warm, mein Zimmer liegt im Dunkeln, nur das schwache Licht der Straßenlaterne fällt durch die Jalousien. Draußen ist es still. Kein Wind, kein Auto. Nur mein Atem und das Bild in meinem Kopf.
Ich sehe König vor mir, wie sie Hartmanns Shirt auszieht. Der Stoff gleitet über ihre Schultern, über ihre Arme, fällt auf den Boden. Hartmanns Brüste kommen zum Vorschein — fest, mittelgroß, die Brustwarzen aufgerichtet. Die weiche Linie ihres Bauchs, die schmalen Hüften, der Ansatz ihrer Oberschenkel. König beugt sich vor und nimmt eine in den Mund. Hartmann stöhnt leise und vergräbt die Finger in Königs dunkelblonden Haaren. Königs Hände wandern tiefer, öffnen den Knopf von Hartmanns Jeans, ziehen den Reißverschluss auf. Sie rutscht auf den Knien nach unten, zieht Hartmann die Hose von den Beinen. Hartmann steht da nur noch im Slip, ein schmaler Stoffstreifen zwischen ihren Beinen, die Oberschenkel nackt und muskulös, der Ansatz ihrer Pobacken, die Kurve ihrer Hüften. König zieht auch den aus. Langsam. Hartmann ist jetzt ganz nackt. Die weiße Haut ihrer Innenseite der Oberschenkel, der kleine Schatten zwischen ihren Beinen, die Art wie ihre Brüste atmen — auf und ab, auf und ab. König starrt sie an. Ich starre mit.
In meiner Fantasie ist Hartmanns Haut warm unter Königs Fingern. Ich stelle mir vor, wie sie riecht — nach Schweiß und Deo und etwas Blumigem, das sie aufträgt, wenn sie aus dem Sport kommt. Ich stelle mir vor, wie sich ihre Brustwarzen anfühlen, wenn König sie zwischen die Lippen nimmt. Hart ist der erste Gedanke. Dann weich. Dann feucht.
Ich atme tiefer. Meine Hand liegt auf der Decke, noch still. Aber ich weiß, wohin das führt.
Dann ist Hartmann dran. Sie zieht König das schwarze Shirt über den Kopf. Königs schlanke Schultern kommen zum Vorschein, ihr flacher Bauch, ihre schmalen Arme. Hartmann öffnet ihren BH von hinten — ein Handgriff, den sie schon kann. König lässt ihn fallen. Ihre Brüste sind kleiner, aber ihre Brustwarzen genauso hart. Hartmanns Hände auf ihrer Taille, die Finger die den Bund ihrer Hose suchen. Sie kniet vor König, öffnet den Knopf, zieht die Hose über die Hüften. König steht im Slip, dunkelblond, die Beine schlank, die Haut blass im Licht. Hartmann zieht auch den Slip runter. Langsam. König ist nackt. Ihre Hüftknochen zeichnen sich ab, der weiche Schatten zwischen ihren Beinen, die Linie ihres Schlüsselbeins.
Königs Körper ist anders als Hartmanns. Schlanker. Weniger definiert. Weicher an den richtigen Stellen. Ich stelle mir vor, wie Hartmann sie ansieht — mit diesem Blick, den ich heute gesehen habe. Nicht wertend. Nicht vergleichend. Sondern so, als ob sie etwas sieht, das nur für sie bestimmt ist.
König drückt sie aufs Bett. Sie küsst ihren Hals, ihre Brust, ihren Bauch, tiefer. Ihre Zunge zwischen Hartmanns Beinen. Hartmann wirft den Kopf zurück, ihre Hände krallen sich ins Laken. Ihre Brüste wippen bei jeder Bewegung von Königs Kopf. Sie stöhnt lauter, ihre Hüften heben sich an. Ich stelle mir vor, wie König sie zum Höhepunkt bringt, wie Hartmann zuckt und keucht.
In meiner Fantasie höre ich Hartmanns Stimme. Nicht laut. Aber da. Ein leises Stöhnen, das sich steigert, bis es bricht. Ich stelle mir vor, wie König sie dabei ansieht. Wie sie zusieht, wie Hartmann kommt. Durch den Sucher. Aber diesmal echt.
Dann tauschen sie. Hartmann ist oben, reitet auf König, deren Brüste kleiner sind, aber ihre Brustwarzen genauso hart. Hartmanns blonde Haare fallen nach vorn, sie beugt sich runter und küsst König. Ihre Zungen ineinander. Hartmanns Hand zwischen Königs Beinen. König stöhnt in den Kuss hinein.
Ich werde hart davon. Meine Hand wandert runter, während ich mir das vorstelle. Ich denke daran, wie sie sich ansehen, wie ihre Körper ineinander passen, wie sie kommen. Ich stelle mir vor, wie König auf Hartmann liegt, ihre feuchten Körper aneinandergepresst, wie ihre Unterleiber sich treffen, wie sie beide stöhnen. Ich spüre meine Erektion in der Hand, stelle mir vor, wie ich dabei wäre, wie ich sie berühren würde, wie sie mich ansähen. Ich denke daran, wie sie nachher daliegen, nackt, verschwitzt, Atem, der langsam wieder ruhig wird. Ich denke an ihre nackten Körper, an die Stelle zwischen Hartmanns Beinen, an Königs Finger, die dort waren. Ich atme schwer. Ich presse die Augen zu. Dann komme ich. Warm und heftig. Ich liege still, das Laken klebt an mir. Die Bilder bleiben.
Ich schäme mich, weil es meine Mitschülerinnen sind, aber die Bilder kommen trotzdem. Ich denke: Was die wohl gerade machen? Ob sie auch an mich denken? Nein, bestimmt nicht.
Aber ich stelle es mir trotzdem vor — jede Einzelheit, die ich nicht gesehen habe.
6. Karneval
Einige Tage später. Karnevalsaufführung. Der Saal ist voll. Die Luft ist dick von Lachen und Bier und Gebrüll. Die Bühne ist hell erleuchtet, die Scheinwerfer werfen lange Schatten. Hartmann auf der Bühne im Kostüm, verschwitzt, außer Atem, die blonde Strähne klebt an der Schläfe. Sie steht im Rampenlicht, ihr Kostüm ist rot und eng, der Ausschnitt tief, die Pailletten funkeln bei jeder Bewegung. Sie lacht in das Mikrofon, ihre Stimme hallt durch den Saal.
Der Erzähler ist im Publikum, neben König. König hat ihre Kamera dabei. Sie hält alles fest, jede Bewegung — Hartmanns Lippen, die sich zu einem Lachen öffnen, ihre Hände, die das Mikro halten. Ich sitze neben König. Sie hat die Kamera vors Gesicht gezogen, schießt ein Bild nach dem anderen. Ich sehe ihre Finger zittern, wenn sie den Auslöser drückt. Sie sagt nichts. Sie atmet kaum. Sie ist ganz bei dem, was durch den Sucher kommt.
Nach dem Auftritt flirtet ein fremder Typ mit Hartmann. Er tritt nah an sie ran, legt eine Hand auf ihren Arm. Hartmann lacht. König steht auf und geht. Ich bleibe noch einen Moment, dann gehe ich in den Vorraum, in den Spülraum. Es ist meine Aufgabe, die Waschmaschine zu bedienen, also schaue ich, wie viel Geschirr angefallen ist. Durch das gekippte Fenster höre ich sie. Ich sehe sie nicht — nur ihre Stimmen.
König sagt: „Ich hab Angst, dass du mich ersetzt.“
Hartmann: „Du fotografierst doch auch andere. Das ist nicht dasselbe. Ich will dich.“
Dann Stille. Dann ein Geräusch, das ich kenne. Kuss. Ich riskiere einen Blick durchs Fenster. Sie küssen sich im zerfallenden Licht aus der Küche, ihre Kostüme rascheln. Hartmanns Kostüm ist eng, rot, tief ausgeschnitten — ich sehe Königs Hand darin. Königs Kostüm ist schwarz mit silbernen Pailletten. Sie presst Hartmann gegen die Wand. Hartmanns Kopf fällt zurück. Ich wende mich ab und konzentriere mich auf das Geschirr. Aber ich höre sie noch eine Weile.
Ich stelle das Geschirr in die Maschine, schalte sie an. Das Wasser rauscht. Ich atme tief durch. Meine Hände zittern. Ich denke: Das ist echt. Die beiden sind echt. Und ich war dabei.
7. Gartenfeier
Nach den Karnevalstagen. Unsere Eltern sind übers Wochenende weg. Carina und ich haben die Erlaubnis, dass die Gartenlaube genutzt wird. Der Garten liegt hinter dem Haus, von Hecken umgeben, die Laube am Ende. Es ist kalt, aber trocken. Der Himmel ist klar, die Sterne sind zu sehen.
Mareike, Carina, ich, Svenja und Svenja sitzen zusammen an der Feuerstelle. Die Glut glimmt, die Luft riecht nach Rauch und Alkohol. Mareike lacht viel an dem Abend, ihre braunen Locken tanzen im Feuerschein. Aber sie muss früh gehen — am nächsten Tag geht es zu einer Familienfeier 400 km entfernt, frühe Abfahrt. Sie verabschiedet sich, ich bringe sie noch nach Hause. Wir gehen schweigend die Straße entlang, sie drückt meinen Arm einmal kurz. „Pass auf die beiden auf“, sagt sie. „Die brauchen das.“ Ich nicke.
Als ich zurückkomme, sitzen Carina und die beiden Svenjas noch da. Die Stimmung ist anders. Leiser. König hat ihre Kamera im Schoß, Hartmanns Hand liegt auf ihrem Knie. Carina sieht mich, sie sagt: „Es ist spät. Ein sehr schöner Abend war das.“ Sie schaut mich an — ein Blick, der sagt: Wir gehen jetzt. „Ich glaube, wir sollten auch mal ins Bett. Ist schon spät genug.“ Ich stimme ihr zu. Carina steht auf, streckt sich. „Gute Nacht, ihr zwei. Macht es euch gemütlich in der Laube.“ Die Svenjas nicken. Hartmann lächelt. König sagt leise: „Danke. Für heute.“ Carina und ich gehen ins Haus.
8. Zähne putzen
Ich stehe vor dem Waschbecken und putze mir die Zähne. Im Spiegel sehe ich mich — blass, müde, aber wach. Die Tür geht auf. Carina kommt rein. Sie hat nur ihren Slip an. Einen schmalen, dunklen Stoff, der nicht viel verdeckt. Ihre Brüste sind frei, ihr Bauch, ihre Beine. Sie stellt sich neben mich vor den Spiegel, drückt Zahnpasta auf ihre Bürste und fängt an zu putzen.
„War ein guter Abend“, sagt sie undeutlich, die Bürste im Mund.
„Mmh“, mache ich.
Sie spuckt aus, spült den Mund. „Die beiden passen gut zusammen, oder?“
Ich nicke. „Ja. Hab ich heute auch gemerkt.“
Sie beugt sich vor, spuckt nochmal aus. Ihre Brust bewegt sich dabei — ich sehe es im Spiegel, wie ihre Brüste hängen, sich mit jeder Bewegung verschieben. Carina ist entspannt. Sie merkt hoffentlich nicht, dass ich hinschaue — und dass ich langsam ein Problem in meiner Hose bekomme. Die bloße Haut, ihre nackten Schultern, die Art wie ihr Slip ihre Hüften umspannt. Ich versuche, nicht hinzusehen. Aber mein Körper reagiert schon. Ich spüre, wie es in meiner Shorts eng wird.
Sie richtet sich auf, stellt die Bürste zurück, wischt sich den Mund am Handrücken ab. Ihr Blick streift kurz nach unten — über meinen Körper, über meine Shorts. Sie sieht es. Ich sehe es im Spiegel. Sie sagt nichts. Nur ein kleines Lächeln. „Gute Nacht, Bruderherz.“, gibt mir noch ein Klaps auf den Po.
„Gute Nacht, Schwesterherz.“ fällt aus mir heraus.
Sie verschwindet in ihrem Zimmer. Die Tür fällt ins Schloss. Ich stehe noch eine Weile da, meine Erektion drückt gegen den Stoff, starre in den Spiegel, höre das leise Lachen aus der Laube durchs gekippte Fenster.
9. Der Geheime Blick
Etwa eine halbe Stunde später.
Ich liege im Bett. Ich kann nicht schlafen. Die Bilder von Carina sind noch da, aber jetzt mischt sich etwas anderes hinein. Die Laube. Die Svenjas. Ich denke an sie, zusammen in der Laube, und mein Herz klopft schneller.
Ich bemerke, dass ich mein Handy in der Laube hab liegen lassen. Schnell ziehe ich mir wieder was an. Ich war schon nackt, wollte schlafen.
Beim Annähern an die Hütte höre ich Geräusche aus der Laube. Zum Glück, die Svenjas müssen noch wach sein. Ich bleibe stehen. Durch das Fenster sehe ich Svenja und Svenja — nackt, ineinander.
König oben, Hartmann unter ihr. König tastet Hartmann ab — ich sehe ihre schlanken Finger über Hartmanns Bauch gleiten, über die schwach sichtbaren Linien ihres Sixpacks, höher zu ihren Brüsten. Hartmanns Brüste sind fest, etwa B-Körbchen, muskulös, die Brustwarzen mittelrosa und aufgerichtet, der Vorhof mittelgroß. Sie bewegen sich mit jedem Atemzug. König beugt sich runter und nimmt eine in den Mund. Ihre Zunge spielt um die harte Spitze, sie saugt. Hartmanns Rücken krümmt sich, ihr Becken hebt sich an.
Königs Hand wandert tiefer. Über Hartmanns flachen Bauch, über die getrimmten blonden Stoppeln ihres Schamhaars. Ihre Finger gleiten zwischen Hartmanns Beine, teilen die äußeren Schamlippen — sie sind fest, eng, leicht asymmetrisch, hell pigmentiert. Die inneren Schamlippen sind hellrosa, von außen fast vollständig bedeckt. König streicht mit einem Finger darüber, ganz leicht. Hartmanns Klitoris taucht unter der Vorhaut hervor. Hartmann zuckt. König grinst.
Sie führt einen Finger ein, langsam. Hartmanns Vagina ist eng, straff. Ihr Mund öffnet sich, ein leises „Ahh“ entkommt ihr. König bewegt die Hand, der Finger gleitet nass wieder raus, verschwindet wieder. Zwei Finger jetzt. Der Klang davon — feucht, leise, im Takt. Hartmanns Oberschenkel zittern, ihre Hüften bewegen sich gegen die Hand. Ihre Brüste wippen bei jeder Bewegung. Ihre Achseln sind rasiert — Sport, denke ich —, ihre Beine glatt. Ihre Haut ist hell, gebräunt, mit einem kleinen Muttermal am rechten Oberschenkel.
Ich starre. Meine Hose ist viel zu eng.
König beugt sich vor, küsst sie. Ihre Zungen treffen sich. Hartmanns Stöhnen wird lauter, ihre Fersen graben sich ins Laken, ihre Knie gehen auseinander. König beschleunigt die Bewegung. Ihre Finger jetzt tief in Hartmann, der Daumen kreist auf ihrer Klit, die jetzt ganz hervortritt. Hartmanns Körper spannt sich an, ihr Bauch zieht sich zusammen, die Sixpack-Linien treten hervor, ihre Brust hebt sich. Sie kommt. Ihr Becken bebt, ihre Schenkel pressen sich um Königs Hand, ihr ganzer Körper zuckt. Ihr Mund ist offen, aber kein Ton kommt raus. Dann sackt sie zusammen, atmet schwer, die Brüste heben und senken sich.
König zieht die Finger raus. Sie sind nass. Sie leckt sie ab. Langsam. Mit geschlossenen Augen. Hartmann sieht zu, atmet noch immer heftig, ihre Brust glänzt vor Schweiß.
Dann tauschen sie. Hartmann drückt König auf den Rücken. Sie zieht König das schwarze Shirt aus, öffnet ihren BH. Königs Brüste kommen zum Vorschein — auch B-Körbchen, die linke etwas voller als die rechte, die Brustwarzen hellbraun, mittelgroß. Hartmann küsst ihren Hals, ihren flachen Bauch mit der kleinen Wölbung, ihren kleinen Bauchnabel. Dann spreizt sie Königs Beine und beugt sich runter.
Königs Schamhaare sind dunkelblond, natürlich, vielleicht etwas gekürzt. Ihre äußeren Schamlippen sind mittelgroß, leicht gewölbt, mittlere Pigmentierung. Hartmanns Finger teilt sie. Die inneren Schamlippen kommen zum Vorschein — dunkelrosa, ragen knapp über die äußeren hinaus. Königs Klitoris ist klein, von der Vorhaut halb bedeckt. Hartmanns Zunge findet sie sofort. König stöhnt laut, ihr Becken hebt sich an, ihre Hände vergraben sich in Hartmanns blonden Haaren.
Hartmanns Zunge taucht ein, leckt, saugt. Ihre Nase drückt gegen Königs Klit. Königs Beine zittern, ihre Fersen graben sich in Hartmanns Rücken. Ihre Brüste beben bei jedem Stoß ihrer Hüften. Ihr kleiner Po ist sichtbar, wenn Hartmanns Kopf sich hebt — eng, dezent gebräunt, unbehaart.
König kommt mit einem langen, tiefen Stöhnen. Ihr Körper bebt. Ihre Hüften zucken. Ihre inneren Schamlippen sind jetzt ganz offen, feucht und dunkelrosa. Hartmann taucht wieder auf, ihr Kinn glänzt, ihr Mund ist nass. Sie lächelt. Sie beugt sich runter und küsst König. Ich sehe ihre Zungen — den Geschmack zwischen ihnen.
Ich kann nicht mehr. Meine Hand ist mitlerweile schon dabei und reibt immer schneller, ich habe gar nicht gemerkt, wann ich sie angelegt habe. Ich reiße sie raus, öffne den Knopf, hole meinen Schwanz raus — hart, die Eichel glänzt schon. Ich streich ihn, während ich durchs Fenster sehe. König liegt jetzt auf Hartmann, ihre nassen Körper aneinandergepresst, ihre Beine ineinander verschlungen. Sie flüstern. Sie lachen leise.
Ich komme. Warm und heftig, der Samen spritzt in meine Hand, tropft auf den Boden. Ich stehe still, atme flach, wische mir die Hand an der Hose ab. Dann schleiche ich mich schnell zurück ins Haus.
Oben angekommen ziehe ich mich aus und gehe ins Bett. Die Bilder brennen in meinem Kopf. Ich merke, dass ich noch immer halb steif bin. Ich drehe mich auf die Seite und starre an die Wand.
10. Morgen danach
Am nächsten Morgen wache ich auf und brauche einen Moment, um zu realisieren, was letzte Nacht passiert ist. Dann kommt es zurück. Ich setze mich auf, atme tief durch. Unten in der Küche höre ich Stimmen.
Als ich runterkomme, sitzen alle drei am Tisch. Carina hat den Kaffee schon eingeschenkt, die Brötchen liegen auf einem Teller. Hartmann grinst mich an. „Na, gut geschlafen?“
Ich setze mich. „Ja, gut. Ihr?“
König wird rot. Hartmann lacht. „Beste Nacht seit langem. Danke, dass wir die Laube nutzen durften. Ernsthaft. Das war perfekt.“
Carina schiebt mir den Teller rüber. „War doch klar. Ihr seid immer willkommen.“ Sie zwinkert mir zu. Ich weiß nicht, ob sie es weiß. Ich glaube nicht.
Wir frühstücken. Rührei, Brötchen, Kaffee. Hartmann isst wie ein Scheunendrescher, König pickt nur rum. Carina redet über die nächste Karnevalsitzung, über Mareike, die sich nicht gemeldet hat heute Morgen. „Die wird geschlafen haben“, sagt sie. „400 km, das ist krass.“
Hartmann nickt. „Find ich gut, dass sie mitgekommen ist gestern. Passt gut in die Runde.“
König sagt leise: „Sie ist nett. Mareike.“
Ich nicke. Ich denke an letzte Nacht. An das Bild, das ich gesehen habe. An Königs Finger. An Hartmanns Stöhnen. Ich werde rot und konzentriere mich auf mein Brötchen.
Nach dem Frühstück räumen wir die Laube auf. Ich helfe mit, trage Decken ins Haus, leere Aschenbecher. Als ich an König vorbeigehe — sie faltet die Bettlaken zusammen — rieche ich ihren Duft. Ihr Parfum, aber auch etwas anderes. Ihr Geruch von letzter Nacht. Schweiß und Sex und etwas Süßes. Ich werde sofort wieder hart. Ich drehe mich um, damit niemand es sieht.
„Alles okay?“, fragt Hartmann. Sie steht hinter mir, die Arme verschränkt, ein Grinsen im Gesicht.
„Ja. Nur etwas müde.“
Sie lacht. „Glaub ich dir. War ja auch ein langer Abend.“
Ich nicke und gehe schnell ins Haus. Carina ist in der Küche, spült Geschirr. Sie sieht mich kurz an. „Alles klar?“ hhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh „Ja. Warum fragst du dauernd?“
Sie zuckt mit den Schultern. „Keine Ahnung. Du siehst so — nachdenklich aus. Als ob du was gesehen hättest letzte Nacht.“ Sie lacht. Sie macht einen Scherz. Sie weiß es nicht.
Ich sage: „Ja. Richtig süß.“
Ich weiß es jetzt. Und ich werde es nie vergessen.
Teaser Band 3 — Der Erzähler sieht Nadine im Vereinsheim. Sie steht allein in der Küche, starrt auf einen Zettel, atmet tief durch. Gleich geht es los. Sie merkt nicht, dass er sie sieht.